Morbus Parkinson
von Dr. Carsten Schröter
Morbus Parkinson – Die Einleitung James Parkinson wurde am 11.04.1755 in Hoxton, einem Londoner Vorort als Sohn eines Praktischen Arztes geboren. 1817 verfasste er seinen berühmten „Essay on the shaking palsy“. In dieser Schrift beschreibt er 6 Patienten, viele der wesentlichen Symptome stellte er dort bereits zusammen. Von „shaking palsy“ leitet sich auch der irreführende Begriff der „Schüttellähmung“ ab. Weder treten aber beim Morbus Parkinson Lähmungen auf noch findet sich immer das Zittern. Nachdem in den westlichen Industrieländern die Lebenserwartung ständig steigt und die Parkinson-Syndrome typischerweise im höheren Lebensalter auftreten, müssen wir zunehmend mehr Patienten erwarten. In Deutschland geht man von einer Gesamtzahl von 250.000-400.000 Patienten mit Morbus Parkinson aus. Morbus Parkinson - Syndrome – Die Einteilung Der Morbus Parkinson im engeren Sinne wird heute oft auch als idiopathisches Parkinson - Syndrom (IPS) bezeichnet. Dabei sind verschiedene Erkrankungen abzugrenzen, die zu einem ähnlichen Erscheinungsbild führen können, beispielsweise die progressive supranukleäre Blickparese (Steele-Richardson-Olszewski-Syndrom) und die Multisystematrophien. Tabelle: Klassifikation der Morbus Parkinson-Syndrome nach Ursachen1. Idiopathisches Parkinson - Syndrom ( Morbus Parkinson)
2.
Idiopathische
Parkinson - Plus - Syndrome
3. Sekundäre (symptomatische) Parkinson - Syndrome
„Idiopathisch“ heißt, dass die Ursache der Erkrankung noch nicht geklärt ist, „symptomatisch“ heißt, dass die Symptome des vorliegenden Parkinson - Syndroms Folge einer anderen Erkrankung sind. Von einem Morbus Parkinson dürfen wir in diesem Falle also nicht sprechen. Die Symptomatik des Morbus Parkinson unterscheidet sich meist von den unter 2. und 3. genannten Erkrankungen. Hinweisend auf den Morbus Parkinson sind der meist einseitige Beginn der Erkrankung und auch im Verlauf Fortbestehen einer Seitenasymmetrie. Weiter können der Ruhetremor und das gute Ansprechen auf L-Dopa auf den Morbus Parkinson im engeren Sinne hinweisen. Die folgenden Ausführungen beziehen sich alleine auf den Morbus Parkinson, nicht die Parkinson - Plus - Syndrome oder die sekundären Parkinson - Syndrome. Zu den unter 2. und 3. zusammengefassten Erkrankungen sind weitere Informationen in Vorbereitung. Eine weitere Einteilung erfolgt nach der Schwere des Morbus Parkinson. Dabei hat sich eine grobe Einteilung der Stadien nach Höhn und Yahr (1967) durchgesetzt.
Stadium
I: Einseitiger Befall. Morbus Parkinson: Symptome Als die 4 Kardinalsymptome des Morbus Parkinson werden angesehen:
Unter Bradykinese versteht man die Verlangsamung der Einleitung von Willkürbewegungen bei dem Morbus Parkinson. Hierzu gehören auch die gebeugte Körperhaltung, wobei sämtliche großen Gelenke in Beugung gehalten werden. Meist beginnt der Morbus Parkinson im Bereich der Arme und Schultern mit Andrücken des Oberarms an den Körper und leichter Beugung im Ellenbogengelenk. Die oft geklagten Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich der Patienten sind einerseits durch die Körperhaltung, andererseits durch die unten dargestellte Steifigkeit, den Rigor, bedingt. Ein bis zwei Jahre später kann ein Nachziehen eines Beines hinzukommen, und das Gangbild wird kleinschrittiger. Später werden eine Starthemmung und die Unfähigkeit, rasch anzuhalten, bemerkt. Bei Wendebewegungen benötigen Patienten vermehrt Zwischenschritte. Charakteristisch ist das mangelnde Mitpendeln zunächst eines Armes. Im Gesicht ist der Morbus Parkinson durch eine verminderte Mimik (= Hypomimie) zu erkennen. Die Mundwinkel stehen still und die Lidschlusshäufigkeit nimmt ab. Durch die Starre der mimischen Muskulatur werden die Patienten oft fälschlicherweise als teilnahms- und interesselos angesehen, was in der Kommunikation ein erhebliches Problem darstellt. Der Patient mit Morbus Parkinson kann seine Emotionen nicht mehr ohne weiteres wie sonst selbstverständlich ausdrücken. Ein vermindertes Schlucken führt zur Vermehrung des Speichels im Mund, nicht eine vermehrte Produktion des Speichels. Die koordinative Beweglichkeit und Geschicklichkeit wird zunehmend schwerer, beispielsweise beim Handarbeiten oder Knöpfen. Im Verlauf treten Probleme beim Gehen durch eine enge Tür auf, die Patienten können schlecht über Schwellen gehen. Der Rigor ist eine Steifigkeit der Muskulatur, die beim passiven Durchbewegen von Armen und Beinen beim Morbus Parkinson auffällt. Es erscheint, als ob ein wächserner Widerstand vorliegt. Oft, insbesondere im Handgelenk, wird ein so genanntes Zahnradphänomen festgestellt. Hierbei hat der Untersucher den Eindruck, im Gelenk sei ein Zahnrad, über dessen Zähne hinwegbewegt wird. Es handelt sich beim Tremor des Morbus Parkinson in der Regel um einen Ruhetremor. Die Finger, die Hand oder der Arm, zittern langsam, während der Körperteil eigentlich in Ruhe ist. Aber auch im Bereich der Beine kann der Tremor vorliegen. Der Tremor beginnt meist einseitig und weist in der Regel eine Frequenz von 4 – 5 Hz, also 4 – 5 Zitterbewegungen pro Sekunde, auf. Bei psychischer Belastung, beispielsweise bei der ärztlichen Untersuchung oder bei Anspannung kann der Tremor deutlicher werden. Bei gezielten Bewegungen des betroffenen Armes oder Beines verschwindet er. Neben dem Ruhetremor ist aber auch gelegentlich ein Haltetremor zu finden, so dass mitunter die Unterscheidung zu anderen Formen des Zitterns schwer fällt. Die posturale Instabilität, die Instabilität in der Körperhaltung, lässt sich dadurch nachweisen, dass der aufrecht stehende Patient auf ein Schubsen nach vorne, hinten oder zur Seite unsicher reagiert, und allenfalls durch einen Ausfallschritt das Fallen verhindern kann. Es tritt in der Regel nicht am Anfang der Erkrankung auf. Auch die so genannte Festination, die sich dadurch auszeichnet, dass der schwerer betroffene Parkinson - Patient beim Gehen immer schneller wird, dann die Beine nicht mehr nach vorne bekommt und zu Fall kommt, gehört dazu. In den letzten Jahren wurde auch eine früh einsetzende Riechstörung als weiteres diagnostisches Kriterium festgestellt, die bei ca. 90% der Parkinson-Erkrankten auftritt. Als sogenannte vegetative Zeichen sind die vermehrte Talgproduktion im Gesicht (Seborrhoe) mit der Folge des Salbengesichtes und oft beobachtete Kreislaufregulationsstörungen zu nennen. Letztere sind durch einen niedrigen Blutdruck, besonders beim schnellen Aufstehen gekennzeichnet. Sprechstörungen zeigen sich beim Morbus Parkinson in Form einer zunehmend leisen und monotonen Sprache. Typisch ist auch, dass der Patient gegen Ende eines Satzes immer schneller wird und dann Wortteile auslässt. Wir sprechen dabei auch von einer „Festination der Sprache“. Etwa 40% der Patienten entwickeln eine Depression. Oft geht sie dem Morbus Parkinson sogar voraus. Bei etwa 20% der Patienten treten Störungen des Gedächtnisses auf, die sich bis zu einer Demenz hin entwickeln können. Morbus Parkinson: Die Diagnose
Typisch für die Diagnose der Parkinson-Krankheit (idiopathisches Parkinson -
Syndroms) sind:
Zu
den Ausschlusskriterien gehören Bei jüngeren Personen ist der Ausschluss einer Kupferstoffwechselstörung durch die Analyse von Kupfer und Coeruloplasmin notwendig zum Ausschluss eines Morbus Wilson.
Gelegentlich
kann es sinnvoll sein, eine Isotopen-Untersuchung durchzuführen, das
sogenannte IBZM-Spect. Hierdurch werden die Dopaminrezeptoren im
Striatum, in den sogenannten Basalganglien, dargestellt. Patienten mit
primärem Morbus Parkinson, der Morbus Parkinson, weisen bis auf die Spätstadien
einen normalen Dopamin-Rezeptorenbesatz auf, was im Gegensatz zum
Patienten mit Multisystematrophie steht. Morbus Parkinson: Vermutete Ursachen
Als Ursache des Morbus Parkinson ist ein Untergang von Nervenzellen im Hirnstamm bekannt. Genauer heißt die betroffene Struktur im Hirnstamm Substantia nigra, die schwarze Substanz. Diese Nervenzellen produzieren eine Überträgersubstanz, das Dopamin. Über Ausläufer der Nervenzellen, die Axone, wird Dopamin in die Basalganglien, ein Kerngebiet in der Tiefe des Großhirns, transportiert und dort freigesetzt. In den Basalganglien heißt die Zielstruktur Striatum. Durch den Untergang der Zellen in der Substantia nigra kommt es zu einem Mangel an Dopamin im Striatum. Warum es aber zu dem Untergang der Nervenzellen bei der Morbus Parkinson kommt ist bis heute nicht bekannt. Es gibt verschiedene Modelle. So werden
als auslösend oder am Krankheitsprozess beteiligt diskutiert. Aufbauend auf diesen Aspekten wurden und werden verschiedene medikamentöse Therapiekonzepte erarbeitet.
Weitere Medizinische Informationen
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